Hätte man mich vor fünf Jahren gefragt, so hätte ich dasselbe gesagt wie vor zwei Monaten – In Panama wird Spanisch gesprochen (oder zumindest eine Sprache die verhältnismäßig nahe an das vor Jahrzehnten in der Schule gelernt Spanisch herankommt), es ist höchstwahrscheinlich ziemlich warm und ich würde es ausgesprochen gerne mal bereisen. Vor zwei Monaten war es genauso wahrscheinlich für mich in die Antarktis zu reisen wie in Santa Catalina zu leben – aber hier bin ich nun, auf dem Weg meinen Lebensrhythmus in diesem idyllischen und authentischen Fischerdorf im Südwesten von Panama zu finden.

 

Als deutscher Expat bin ich der englischen Sprache fließend mächtig, meine Spanischkenntnisse jedoch waren vor meinem Entschluss eine Praktikumsstelle im Panama Dive Center anzutreten beschränkt auf ‘Vamos a la playa’, Tequila und den Refrain von ‘La Cucaracha’. Mit der unglaublich geduldigen Unterstützung meiner Kollegen und meinem guten Freund Rosetta Stone (Anm.: Software für Sprachunterricht, wird im PDC aktuell für Spanisch, Französisch und Deutsch getestet) habe ich vor bis November, wenn ich Panama verlassen werde, zumindest in Basiskonversationen fließend zu sprechen. Bisher sind und bleiben meine meistgebrauchten Sätze aber “Disculpe, hablo solo un poquito Español” (“Verzeihen Sie, ich spreche nur ein kleines bisschen Spanisch”), “¿Cómo se dice … en español?” (“Wie sagt man … auf Spanisch?”) und “una Balboa, por favor” (“Ein Balboa [nationale Biermarke], bitte”). Aber um alle, die möglicherweise in der selben Situation stecken, zu ermutigen: Lasst euch nicht von ungenügenden Sprachkenntnissen von einem Abenteuer in Zentralamerika abhalten! Es scheint als würde ich jeden Tag das doppelte der Vokabeln lernen, die ich bereits beherrsche, aber stetig Fortschritte zu bemerken ist wohl die erstrebenswerteste Belohnung wenn man eine neue Sprache lernt.

 

Wenn ich an Lateinamerika denke kommen mir gleich zu Beginn die Nationalgerichte der unterschiedlichen Länder in den Sinn. Ob das nun der Norden mit Mexicos scharfen Tacos und Enchiladas ist, das sogenannte Gallo Pinot in Nicaragua oder die weltberühmten Asados (Grills) in Argentinien. Aber was ist das Nationalgericht von Panama? Ich war mir zumindest sicher noch nie davon gehört zu haben. Aber es dauerte nicht lange, bis ich diese Wissenslücke füllen konnte: Entlang der pazifischen und karibischen Küsten bestehen die Küchen zu großen Anteilen aus frischen Meeresfrüchten, tropischen Früchten und (Wurzel-)Gemüse. Die Panamaer haben neben der geteilten Währung (US$) noch eine andere Gemeinsamkeit mit den Vereinigten Staaten von Amerika: Sie lieben es alles zu frittieren, was bei drei nicht auf dem Baum ist. Aber wer wäre ich mich darüber zu beschweren, diese Angewohnheit bringt uns in den Genuss von Patacones. Dies sind frittierte Scheiben grüner Bananen – ein Rezept, welches es bereits jetzt in meinen sehr begrenzten Schatz von internationalen Gerichten geschafft. Diese Ehre teilt es nur mit zwei anderen meiner Lieblingsspeisen!

In meinen Augen einer der größten Vorteile und gleichzeitig überraschendsten Fakten bezüglich des Essens sind die sehr variablen Optionen für Fleischliebhaber, Vegetarier und sogar Veganer und obwohl ich mich den größten Teil der Zeit vegetarisch ernähre denke ich, es ist verhältnismäßig einfach sich nach den unterschiedlichsten diätetischen Vorgaben zu ernähren. Sogar ich habe Tage, die ich mit einer frischen Kokosnuss vom Strand starte (falls Schwierigkeiten mit dem Knacken einer Kokosnuss bestehen: Unser Divemaster-Schüler Rodrigo ist ein großartiger Lehrer bezüglich solcher Überlebenstricks), knabber mich durch eine unverhältnismäßige Menge von Melonenscheiben, hilf mir mit ein paar Bananen- und Ananasstücken vom lokalen Fruchtlieferanten über den Nachmittag und genieße zum Abschluss des Tages angenehm gekühlte Mangostanen und einen eiskalten, selbstgepressten Fruchtsaft – für mich selbst sprechend kann ich offen und ehrlich behaupten, dass gesund essen selten so einfach war!

Auch die Vielfalt der unterschiedlichen Restaurants in Santa Catalina ist hier zu erwähnen. Manchmal fällt die Wahl zwischen einer ausgezeichneten Pizzeria (Jammin Hostel und Pizzeria), einem original-argentinischem Lokal und den etlichen anderen Gaststätten, die unter anderem solch für die Region untypische Spezialitäten wie Sushi anbieten, gar nicht so einfach.

 

In enger Verbundenheit zu den Speisemöglichkeiten steht auch die durchschnitten Preisspanne, in die Santa Catalina fällt. Während ein durchschnittliches Abendessen inkl. Getränke für eine Person bei ungefähr 13US$ liegt, so ist es die Abgeschiedenheit vom Rest der panamaischen Zivilisation die es möglich macht, dass eine Packung Zahnpasta ungefähr 3US$ kosten kann. Kosmetika im Allgemeinen sind teurer als in anderen Ländern oder auch Panama City. Bezüglich Essen spiegelt es sich vor allem in westlichen Luxusartikeln wieder wie Käse (ungefähr 5US$ für einen faustgroßen Leib) und frischer Milch (ca. 2US$/L). Die billigsten Unterkünfte variieren zwischen 15US$ für ein Bett im Schlafsaal (Hostel Villa Vento Surf) bis 20US$ für ein Einzelzimmer (Cabañas Las Palmeras) aber können auch bis zu 80US$ pro Nacht/pP steigen (Hotel Santa Catalina). Als Tourist würde ich persönlich wohl ca. 30US$/Tag für Verpflegung und Unterkunft ausgeben, zuzüglich kommen dann noch die Kosten für Tagesausflüge wie Tauchtrips, Schnorcheln oder Delphin- und Walbeobachtungstouren. Ein Surfboard kann für ca. 10US$ pro Tag gemietet werden. Das bekannteste nationale Bier heißt “Balboa” (Was auch der Name für die panamaische Währung ist, welche zu einer Rate von 1:1 an den US$ gebunden ist) und ist normalerweise für 1-2$ pro Flasche zu erhalten.

 

Wie ist es also in einem kleinem, touristischem Fischerdorf zu leben, in dem man das alltägliche Leben mit Ortsansässigen und durchreisenden Touristen teilt? Ich beschreibe es gerne als mein persönliches Paradies, obgleich man nicht alles durch die rosarote Brille betrachten darf: Lass es die Luftfeuchtigkeit und schwüle Hitze sein, die dich und all deine Kleidungsstücke, Handtücher und Bettlaken den gesamten Tag über verschwitzt und feucht hält (vorausgesetzt es regnet nicht. Habe ich erwähnt, dass die Regenzeit in unterschiedlichen Härtestufen von April bis November dauert?), die Moskitos und Ameisen, die es unmöglich lassen das Mittagessen auch nur für eine Sekunde unbeobachtet zu lassen oder einfach der komplette Verlust von jeglichem Gefühl für Datum und Wochentag (Zum Glück helfen mir meine Schichten im Panama Dive Center zumindest die Uhrzeit etwas besser im Blick zu behalten). Aber all diese kleinen Unannehmlichkeiten stehen für mich in keinem Verhältnis zu dem großartigen Gefühl von Zufriedenheit und Zugehörigkeit, welches ich hier empfinde. Vielleicht sind es die langen Abende mit vielen Freunden und einer guten Flasche Wein, die Sonnenuntergänge am Strand, der erste Versuch auf einer Weile zu surfen, die bereits international bekannte Surflegenden hervorgebracht hat, die Unendliche Reichhaltigkeit der lokalen Flora und Fauna oder die atemberaubende “versteckte Welt”, die sich direkt unter der Wasseroberfläche im Coiba Nationalpark abspielt, die diesen Ort für mich so magisch erscheinen lassen. Mit seinen knapp 400 Einwohnern ist Santa Catalina wirklich ein Dörfchen und wenn man die Möglichekeit hat hier etwas mehr Zeit zu verbringen, so dauert es nicht lange, bis man ein Gefühl für diesen Ort entwickelt. Jeden Tag übernimmt jemand anderes die Aufgabe deinen Tag mit feuriger, spanischer Musik zu untermalen bis lange nachdem die Sonne untergegangen ist, man erkennt mehr und mehr bekannte Gesichter wenn man seiner alltäglichen Routine nachgeht, die meisten mehr als offen dich in die Gemeinschaft zu integrieren und bevor man es merkt weiß man, an welchen Ecken man die billigsten und besten Fruchttrucks findet.

 

Wie bereits zuvor erwähnt – Santa Catalina ist ein potenzielles Paradies. Ob es das für dich auch sein wird hängt vor allem von deinen persönlichen Prinzipien und Wertvorstellungen ab, aber die Grundlage die geboten wird ist ziemlich vielversprechend und ich sehe keinen anderen Weg als einzutauchen und sich mitreißen zu lassen von dem gelassenen und relaxten Lifestyle in einem Umfeld, indem andere normalerweise auf ein paar Tage ihres Jahresurlaubs beschränkt sind.

-Von Nina Berti

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